Compoundbogen kaufen: 9 Dinge, die du wissen solltest

Der Compoundbogen ist ein spezieller Bogen, der so ganz anders ist als ein Recurvebogen. Schützen, die schon länger mit einem Bogen schießen, kaufen sich einen Compoundbogen, wenn sie schon länger Erfahrungen gesammelt haben. Daher ist schon zu erkennen, dass es etwas besonderes mit dem Bogen auf sich hat. Zuerst stellt sich die Frage was für Bogen das ist, und welche Besonderheiten er hat. Dann beleuchte ich die Frage, ob er auch für Einsteiger ein sinnvoller Bogen ist. Dann komme ich auf den Preis zu sprechen, und welchen Aufwand ich betreiben muss, den Bogen zu pflegen.

Das Bild zeigt einen Compoundbogen.
Im Bild ein Compoundbogen, der erklärt wird. (https://www.pexels.com/de-de/@rodnae-prod)

Was ist ein Compoundbogen?

Compoundbögen nutzen die Technik des Hebelgesetzes. Früher gab es Wellräder, die z.B. Wasser aus Brunnen gefördert haben. Dabei wurde ein Rad auf eine waagerechte Achse gesetzt, das aussah wie ein Steuerrad auf einem alten Schiff. An dieser Achse wurde ein Seil aufgerollt, und darunter befand sich ein Eimer. Der Eimer wurde mit dem Rad, je nach Drehrichtung, nach oben oder nach unten zum Wasser gebracht. Die Kraft die aufgewendet wird, ist 4 mal geringer, als wenn ich kein Wellrad einsetze.

Mit dieser Technik arbeitet auch der Compoundbogen. Da es schlecht zu beschreiben ist, habe ich hierzu ein Bild eines Fury-Cam-Wheels beigefügt, damit du die Funktionsweise besser erkennen kannst:

Auf diesem Bild wird das Ablaufschema einer Fury-Cam-Wheel beschrieben.
Ablaufschema eines Fury-Cam-Wheels. (https://de.wikipedia.org/wiki/User:StromBer)

Am Ende nach ca. 180° Grad wird das Gipfel-Zuggewicht erreicht. Der Weg der Bogensehne (hier in gelb) ist länger als die der der roten Arbeitssehne (rot). Ich brauche somit bis zu 90% weniger Kraft, und kann dadurch den Bogen ruhiger halten, als wenn ich das volle Zuggewicht an den Fingern lastet. Die nach außen wegdrehende Rolle mit ihrer exzentrischen Aufhängung hat eine Hebelwirkung, die einen nicht-linearen Kraftverlauf hervorruft.

Ist es sinnvoll als Einsteiger einen Compoundbogen zu kaufen?

Auf der einen Seite sollte der Compoundbogen einfach zu bedienen sein, auch weil der Kraftaufwand geringer ist als bei jedem anderen Bogen. Ich habe aber gehört, dass sich viele damit schwertun, und doch eher zum Recurvebogen greifen. Der Grund liegt darin, dass sich viele erschrecken, wenn der Gipfel erreicht ist, und das Zuggewicht stark nachlässt. Man lässt ab und der Pfeil verfehlt das Ziel. Der Bogen muss daher an den Einsteiger angepasst werden, damit er sich auf das veränderte Zuggewicht einstellen kann, und sein Ziel trifft.

Ich bin aber der Meinung, dass ein Recurvebogen für den Anfang der bessere Bogen ist, zumal das Zuggewicht bleibt, und eine Art Gewöhnung eintritt. Weiterhin kann ich durch die Anwendung eines Take Down Bogens die Wurfarme austauschen und dem Trainingsstand anpassen.

Warum sollte ich einen Compoundbogen kaufen und was ist zu beachten?

Material

Der Bogen besteht aus Metall, in der Regel das Griffstück aus Aluminium und die Wurfarme aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Dieses Material ist besonders zug- und druckfest. Ich habe günstige Bögen gefunden, die unter 100 Euro kosten, aber sie bestehen aus Fiberglas, und das ist nicht unbedingt die beste Wahl. Wenn sie brechen, dann können gefährliche Splitter entstehen.

Komplettsets

Wer Komplettsets in Erwägung zieht, der sollte darauf achten, dass Visiere, Köcher für Pfeile, Stabilisatoren und vielleicht Carbonpfeile mit dabei sind. Wer sich für gute Pfeile entscheidet, der sollte auch Preise ab 600 Euro einkalkulieren. Die Wahrscheinlichkeit gute Anbaugeräte bei teuren Bögen zu haben ist viel größer als bei günstigen Modellen. Oft wird davon abgeraten Komplettsets mit Compoundbogen zu kaufen. Meiner Meinung nach kommt auch darauf an, ob ich den Bogen für Wettkämpfe nutze oder als Hobbyschütze unterwegs bin.

Das Zuggewicht

Anfänger sollten bei einem Zuggewicht von 20 – 30 Pfund starten. Daher ist es wichtig einen Compoundbogen zu kaufen, wo das Zuggewicht einzustellen ist. Auch wenn der Bogen 50 – 6o Pfund als maximales Zuggewicht schafft, sollte er auf 2o Pfund reduziert werden. So kannst du auch als Einsteiger mit solch einem Bogen starten.

Das Gewicht des Bogens

Der Bogen kann leicht auch mal bis zu 5 Kg schwer werden, vor allem wenn Anbauteile angebracht sind. Daher kommt man um das Testen des Bogens nicht herum. Er sollte angenehm in der Hand liegen und für einen Anfänger nicht zu schwer sein.

Die Achslänge

Durch eine lange Achslänge, damit sind 40 Zoll gemeint, schießt sich der Bogen ruhiger. Für Einsteiger ist diese Länge daher sehr gut geeignet. Generell werden beim Schießen auf Zielscheiben große Achslängen verwendet.  Daher sollte der Einsteigerbogen auch über eine möglichst lange Achslänge verfügen.

Der Preis eines Compoundbogens

Beim Preis gibt es große Unterschiede. Von billigen Bögen, die teilweise über Ebay angeboten werden, sollte man Abstand nehmen. Die Bögen von ca. 80 Euro eignen sich eher als Kinderspielzeug und haben mit professionellem Bogenschießen nichts zu tun. Gute Bögen, um damit Wettkämpfen teilzunehmen, fangen bei ca. 300 Euro an. Nicht an jedem Bogen sind Visiere und Releases angebracht, und somit kommen nochmal ca. 200 Euro dazu.

Die Pflege des Compoundbogens

Der Bogen sollte sorgsam behandelt werden, auch weil es viel schwieriger ist, den Bogen auf- und abzurüsten, sprich die Sehne aufzuspannen und abzuspannen. Wer mit einem Compoundbogen schießt, der sollte die maximale Auszugslänge beachten. Deswegen sollte vorher schon die Auszugslänge des Schützen vermessen werden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Tatsache, dass ein solcher Bogen nie ohne Pfeil abgeschossen werden darf. Wer den Bogen ohne Pfeil abschießt läuft Gefahr den Bogen zu beschädigen und sich selber zu verletzen. Daher sollte niemals ein Trockenschuss abgegeben werden. Bei diesem Bogen ist es besonders wichtig ihn nicht zu hohen Temperaturen auszusetzen. Das könnte den Bogen beschädigen.

Welche Modelle gibt es auf dem Markt?

Im Gegensatz zu anderen Bögen gibt es hier verschiedene Modelle, die ihre Vor- und Nachteile haben. Mit den Rollen am Compoundbogen kann ich schnellere Pfeile abschießen und brauche mehr oder weniger Kraftaufwand.

Single-Cam Compoundbogen

Hierbei ist am unteren Ende eine ellipsenförmige Cam angebracht und auf der anderen Seite eine Umlenkrolle. Das erspart das Arbeiten mit zwei Cams und macht das Einstellen einfacher. Für Einsteiger wäre dieser Bogen besser geeignet.

Two-Cam oder Dual-Cam Compoundbogen

Bei diesen Modellen sitzt auf jeder Seite eine Cam. Die Einstellung ist komplizierter und benötigt viel Erfahrung. Als Anfänger sollte ich mir über den Verein oder einem Bogenfachgeschäft Hilfe beim einstellen holen. Wenn der Bogen gut eingestellt wird, kann man schnelle Pfeile abschießen und das Let-Off ist höher.

Hybrid-Cam Compoundbogen

Diese Modelle vereinen die Vorteile der Single- und Dual-Cam. Um das hinzubekommen sind die Cams asymmetrisch angeordnet. Das hat zur Folge, dass die Präzision verbessert wird und die andere Cam kümmert sich um ein besseres Let-Off. Die Cams synchronisieren sich hier selbst durch das Kabelsystem selbst. Diese Bögen sind auch für Anfänger eine gute Wahl, da sie nicht großartig eingestellt werden müssen.


💡Tipp: Bitte nicht einfach kaufen, sondern zu einem Fachhandel gehen und sich dort beraten lassen. Jeder Bogen ist anders und muss ausgetestet werden.

Fazit

Fazit zum Compoundbogen kaufen

Der Compoundbogen ist schon faszinierend, und auch technisch eine andere Liga als die herkömmlichen Recurve- oder Langbögen. Anfänger sollten sich überlegen ob sie mit diesem Bogentyp starten. Sie sind erklärungsbedürftig und es gehört schon Erfahrung dazu mit diesen Bögen zu schießen. Aber eines sei gesagt: Die Handhabung und die Schießtechnik  ist viel wichtiger als schnelle Pfeile zu verschießen. Ein anderes Punkt ist der Preis. Die Einsteigersets fangen bei 200 Euro an, aber die Qualität des Zubehörs und Visiers ist nicht allzu gut. Wer Wert auf Qualität legt, und bei Wettkampfsituationen mithalten möchte, der muss schon mit mindestens 600 Euro rechnen. Das ist schon eine Hausnummer wie ich finde, und daher sollten sich Anfänger es sich gut überlegen, ob es ihnen das Wert ist.

Das FAQ zum Compoundbogen

Anbei beantworte ich einige Fragen, die häufiger aufkommen.

Gibt es Compoundbögen für Linkshänder zu kaufen?

Linkshänder arbeiten bekanntlich seitenverkehrt, und somit ist der Bogen mit Griffen für Linkshänder gemacht, und die Pfeilauflage befindet sich auf der rechten Seite. Das ist eigentlich schon alles. Die Auszugslänge oder der Nockpunkt verändert sich ja nicht.

Wie steht es um Idee gebrauchte Compoundbögen zu kaufen?

Wem es zu teuer ist einen neuen Compoundbogen zu kaufen, und es gute Gebrauchte gibt, für denjenigen könnte es interessant sein. Aber wenn ich ehrlich bin würde ich hier nicht sparen. Gute Modelle halten ein Leben lang und es ist meistens eine einmalige Anschaffung. Die Bögen sind auch sehr aufwendig verarbeitet und müssen dem Leistungsstand des Schützen angepasst sein. Außerdem ist fraglich, wie der Vorbesitzer mit dem Bogen umgegangen ist, und das allein das würde mir schon Kopfzerbrechen bereiten. In den meisten Vereinen gibt es auch einen Compoundbogen zum leihen, und wer mal schießen möchte, der macht sich  halt mal einen Termin. Wer an Wettkämpfen teilnimmt, der sollte dann bitte nicht am Bogen sparen, und sich ein neues Modell zulegen.