Spinewertrechner: Für den passenden Pfeil

der Begriff Spinewertrechner ist nicht jedem geläufig, und und vor allem stelle ich mir die Frage, was dieses Tool bewirkt? Diese und andere Fragen zum Spinewertrechner möchte ich in diesem Artikel beantworten. Ich kläre auf, warum es einen statistischen und einen dynamischen Spinewert gibt. Wer Spaß am Bogensport hat und an Meisterschaften teilnimmt, der muss sich über kurz oder lang damit beschäftigen. Nur so ist man in der Lage, gute Schüsse abzugeben und erfolgreicher in diesem Sport zu werden.

Dieses Bild zeigt den Ausschnitt eines Spinewertrechners zur Berechnung des Spinewertes für einen Pfeil.
Ausschnitt eines Spinewertrechners.

Was ist ein Spinewertrechner?

Ein Spinewertrechner berechnet den besten Pfeilflug mit der zur Verfügung stehenden Bogenausstattung. Dazu gehören der Bogen, die Sehne, und ob ein Köcher am Bogen angebaut worden ist. Alle diese Parameter trage ich in diesen Rechner ein und bekomme dann den Spinewert für Carbonpfeile oder Holzpfeile ausgegeben. Warum nur für diese Pfeile würdest du dich fragen? Diese Pfeiltypen werden am häufigsten verwendet und sind in jedem Verein oder privaten Bogenstand anzutreffen. Der errechnete Spinewert für den Pfeil muss notiert werden. Mit diesen Werten kann ich mich an den Handel oder Hersteller wenden und finde den richtigen Pfeil, wenn ich besser treffen möchte.

Die Unterschiede bei den Spinewerten

Wie anfangs gesagt, gibt es einmal den statistischen und den dynamischen Spinewert. Die Unterschiede werde ich gleich erklären:

Statistischer Spinewert

Beim statistischen Spinewert handelt es sich um einen genauen Spinewert des jeweiligen Herstellers. Eigentlich jeder Hersteller, ob Easton oder Bearpaw, um nur einige Beispiele zu nennen, geben Spinewerttabellen heraus für ihre angebotenen Pfeile. Der Vorteil dabei ist, dass die Werte ziemlich genau sind. Zugrunde gelegt wird der ATA-Standard, nachdem sich die meisten Hersteller orientieren. Auf einen 25 Zoll Pfeil wird ein Gewicht von 2 Pfund in die Mitte gelegt. Bei der Biegung wird mit tausendstel Zoll gemessen.
Dabei entstehen Werte wie 400 oder 500 Spine. Bei Holzpfeilen wird in 5-er-Schritten gemessen. Bedeutet, ich habe 30, 35 oder 40 Pfund als Ausgabe. Natürlich gibt es auch einen Umrechner von Carbon- zu Holzpfeilen. Weitere Details findet ihr weiter unten im Artikel.

Dynamischer Spinewert

Mit dem dynamischen Spinewert soll gemessen werden, wie sich der Pfeil beim Schuss biegt. Es ist anzunehmen, dass es praktisch nicht zu messen ist. Zumal jeder Schütze anders abschießt. Im Gegensatz zum statistischen Spinewert ist der Wert nicht genau. Was damit gemessen werden soll, ist die Biegsamkeit beim Schuss, ob es sich mehr oder weniger biegt.

Warum werden bestimmte Komponenten am Bogen zur Berechnung des Spinewertes hinzugezogen?

Anhand der oben genannten Spinewertrechnes wird festgestellt, dass z.B. die Sehne, die Strangzahl sowie die Pfeilspitze und sogar der installierte Bogenköcher mit zur Berechnung hinzugezogen werden.

Die Pfeilspitze

Sie beeinflusst den Schwerpunkt der Pfeile in hohem Maße. Das Gewicht der Pfeilspitze hat unmittelbaren Einfluss auf das Biegeverhalten eines Pfeiles.

Die Pfeillänge

Der Pfeil wird vor dem Abschuss komplett ausgezogen und beim Abschuss flattert der Pfeil etwas. Je länger der Pfeil ist, desto mehr biegt er sich.

Die Strangzahl der Bogensehne

Die Strangzahl hat Einfluß auf die Dicke der Bogensehne. Je mehr Stränge es gibt, desto stabiler ist die Sehne insgesamt. Folgerichtig benötige ich daher einen stärkeren und härteren Pfeil.

Fastflight- oder Dacronsehnen

Dacron ist gegenüber Fastflight-Sehnen dicker und schwerer und reversibler. Die Flugeigenschaften sind daher etwas gemächlicher, wenn man es so ausdrücken möchte, und somit beeinflusst das den Spinewert.

Der Bogenköcher

Es gibt Bogenköcher, die direkt am Bogen befestigt werden. Dieser Umstand hat insofern Einfluss auf den Bogen, dass durch das Mehrgewicht der Bogen ruhiger wird. Das Gleiche gilt für den Stabilisator.

Wonach berechnet sich der Spinewert?

Der Spine ist die Elastizität des Pfeiles. Je mehr sich der Pfeil durchbiegen lässt, desto eher gerät er im Flug in Schwingungen und kann das Ziel anders treffen als gedacht. Du erkennst es auch daran, wenn du einen Bogen benutzt mit hoher Zugkraft und schwachem Pfeil, dann schwingt der Pfeil und trifft nicht ins Gold, sondern ins Schwarze, also daneben. Außerdem kann man froh sein, dass der Pfeil nicht gebrochen ist.

Es gibt zwei Standards, der eine heißt AMO (Archery Merchants and Manufacturers Organization), der andere ASTM- bzw. ATA-Standard (Archery Trade Association). Sie unterscheiden sich darin, dass sie verschiedene Auszugslängen als Maßstab nehmen. Beim ASTM wird von einem 29 Zoll Pfeil ausgegangen, auf dem ein Gewicht in der Mitte von ca. 2 Pfund lastet. Problem ist, dass es nicht bei allen Bögen funktioniert, daher wird der AMO-Standard hinzugezogen. Hier habe ich einen Pfeil von 26 Zoll bei der echten Auszugslänge. So kann man verstehen, dass ich zwei unterschiedliche Ergebnisse erhalten werde. Es gibt aber auch eine Umrechnung, die da lautet: 1 ASTM = 0,825 AMO.

Jetzt habe ich noch verschiedene Sehnen und Materialien, sowie den Bogen selbst. Hier gibt es mathematische Herleitungen nach Erfahrungswerten, wonach +/-2 oder 5 lbs hinzugerechnet, oder abgerechnet werden. Lbs heißt englisches Pfund und umgerechnet 1 lbs sind 0,45 kg. Mit Schiebereglern und Eingaben von Zahlen kann ich den Rechner beeinflussen und er gibt mir unterschiedliche Spinewerte aus.

Was sind die Eigenschaften des Spinewertrechners?

Kurz gesagt, ich kann damit den Spinewert für einen Holz- oder Carbonpfeil berechnen, um damit zum Hersteller oder Händler zu gehen und er sagt mir, welchen Pfeil ich benötige. Das ist doch super und vereinfacht mit den Kauf von Pfeilen. Der Händler muss nur in die entsprechende Tabelle des Herstellers schauen, welcher Pfeil welchen Spinewert und welche Pfeilspitze hat. Das ist schon die halbe Miete und erspart mir einiges an Zeit. Die andere Hälfte ist das eigene Können. Nur wenn ich selber auch ein gutes Trefferbild habe, dann kann ich es mit einem passenden Pfeil weiter verbessern.
Die Angaben, die ich im Rechner mache, müssen stimmig sein und mit der Realität übereinstimmen. Ansonsten macht das Ganze keinen Sinn und dann brauche ich den Rechner auch nicht nutzen.

Auffälligkeiten bei den diversen Spinewertrechnern

Ich habe unterschiedliche Rechner getestet und die Angaben waren unterschiedlich. Bei einem wurde der Bogenköcher berücksichtigt, auf einer anderen Seite wiederum nicht. Das gleiche Phänomen kam auch bei den Pfeilspitzen zutage, obwohl ich diese schon für wichtig halte. Je schwerer die Spitze. umso größer ist der Einfluss auf den Pfeilflug. Warum das so war, kann ich mir nicht erklären. Der einzige Grund könnte sein, dass jeder andere Merkmale wichtiger findet und diese in die Bewertungen mit einfließen lässt. In meinen nächsten Berichten werde ich mal testen, ob diese Unterschiede auch Auswirkungen auf die Trefferquote haben. Zu den Angaben muss ich sagen, dass es sich um ungefähre, und nicht um exakte Werte handelt. Daher würde ich den Ergebnissen keinen hohen Stellenwert einräumen, sondern eher als Richtwert sehen.

Wo finde ich den passenden Spinewertrechner?

Ich habe einen Spinewertrechner gefunden, den ich hier mal einfüge. Hierbei handelt es sich nicht um eine Testumgebung, sondern um ein reales und erprobtes Tool:

https://der-bogenschuetze.de/spinewert-iframe/“

Dieser Spinewertrechner wird von der Seite “Der Bogenschütze” zur Verfügung gestellt. Hier hast du die Möglichkeit verschiedene Einstellmöglichkeiten zu testen. Ich wünsche dir viel Spaß dabei.

Wie kann ich das Pfeil-Bogen-Setup testen?

Auch oder gerade weil ich den Spinewert für mich berechnet habe, möchte ich natürlich wissen, ob ich damit auch richtig schießen kann. Um das zu testen, gibt es drei Methoden, die mir bekannt sind. Wichtig zu bemerken ist, dass nicht nur der Spinewert mit einbezogen wird, sondern auch der Nockpunkt. Dieser ist zuerst zu korrigieren, bevor ich zum Spinewert komme. Ansonsten kann ich den Fehler nicht feststellen. Dazu gehen die Steckwinkelmethode, die Pfeilflugmethode und der Blankschaftstest. Was genau diese Methoden dazu komme ich im folgenden:

Steckwinkelmethode des Pfeiles

Mit dieser Methode schieße ich z.B. auf eine Lamellenzielscheibe. Bitte keine Strohscheiben, Kartonagen etc. verwenden. Am besten eignen sich Schaumstoffscheiben wie die Lamellenzielscheibe oder Scheiben aus Foam. Der Grund dafür ist, dass diese Materialien den Steckwinkel nicht beeinflussen. Wenn ich jetzt mit rechts die Sehne ziehe und schieße, dann habe ich folgende Konstellationen, wenn der Pfeil in der Zielscheibe steckt:

  • Ist die Nocke höher oder tiefer als die Pfeilspitze, dann ist dementsprechend ein zu hoher oder zu tiefer Nockpunkt gegeben.
  • Ist die Nocke zu weit links, ist der Pfeil wahrscheinlich zu weich. Umgekehrt ist die Nocke zu weit rechts, dann ist der Pfeil dementsprechend zu hart.

Sollte beim Abschuss der Pfeil gerade in die Scheibe fliegen, dann passen der Spinewert sowie der Nockpunkt.

💡Wichtig: Beim Linkshandbogen sind die gemachten Werte umgekehrt zu beurteilen.

Die Pfeilflugmethode des Pfeiles

Viele Anfänger starten mit deinem niedrigeren Zuggewicht. Dadurch ist es außenstehenden Personen wie z.B. erfahrener Schützen möglich, den Pfeilflug zu beobachten. Sollte der Pfeil auf und ab reiten, dann passt das Setup nicht. Das heißt, der Spinewert wurde falsch berechnet, oder der Nockpunkt ist nicht richtig eingestellt. Das Problem ist, dass die Oszillation schwer wahrzunehmen ist. Abhilfe könnte eine Zeitlupenkamera schaffen.

Der Blankschaftstest

Von allen Methoden, die hier genannt werden, ist diese die sicherste und am einfachsten anzuwenden. Es wird beim Setup empfohlen 3 befiederte und 2 unbefiederte Pfeile zu nehmen. Wer genau ist, der nimmt Klebeband und umwickelt die unbefiederten Pfeile mit demselben Gewicht wie die mit Federn.
Warum nutze ich nun unbefiederte Pfeile? Bei den befiederten Pfeilen ist davon auszugehen, dass die Federn den ungenauen Spinewert oder Nockpunkt ausgleichen können. Schlägt der unbefiederte Pfeil außerhalb der Gruppe ein, dann weiß ich, dass ich etwas verändern muss.

  • Stecken die unbefiederten Pfeile über denen, die befiedert sind, dann ist der Nockpunkt wohl zu niedrig.
  • Sind die unbefiederten Pfeile darunter, dann ist der Nockpunkt zu hoch eingestellt worden.

Jetzt muss aber wie schon beschrieben der Nockpunkt zuerst angepasst werden, bevor es zum Spinewert geht. Jetzt gehe ich folgendermaßen vor, und zwar schieße ich aus unterschiedlichen Distanzen, die da wären 10, 15, 20, 25 oder 30 Meter. Ab 30 m kann nicht mehr gewährleistet werden, dass der Blankschaftspfeil die Zielscheibe ordentlich trifft. Nachdem der Nockpunkt eingestellt wurde, schieße ich erneut aus.

  • Trifft der blanke Pfeil links von den befiederten Pfeilen ein, dann wird der Pfeil zu hart sein.
  • Trifft der Pfeil rechts von der befiederten Gruppe ein, dann ist dieser zu weich.

💡Wichtig: Bei Schützen, die die Sehne von links bedienen, ist es genau umgekehrt.

Was kann ich tun, um das Setup anzupassen?

Wenn ich den Pfeil schon gekauft habe, und nicht mehr zurückgeben werden kann, oder ich es nicht will, dann ich folgende Möglichkeiten:

  • Änderung der Pfeilspitze mit mehr oder weniger Gewicht
  • Anderes Sehnenmaterial verwenden, wie z.B. mehr oder weniger Stränge. bzw. Fastflight gegen Dacronsehnen.
  • Veränderung des Zuggewichtes beim Bogen (Take Down Recurvebogen, Compoundbogen)
  • Verstellbare Buttons (Auflagen) verwenden, wenn möglich. Ist hier vom Bogen abhängig.

💡Wichtig: Immer nur ein Setup anpassen und nicht alles auf einmal. Daher zuerst die Pfeilspitze austauschen, und dann erneut ausschießen usw.

Fazit

Fazit zum Spinewertrechner

Der Spinewertrechner ist für das Feintuning unumgänglich. Wenn ich viel Wert lege auf ein gutes Treffergebnis, dann muss ich unbedingt den Spinewert mit berücksichtigen, da ich ansonsten meinem Ziel nicht näher komme. Zugleich muss aber dazu gesagt werden, dass die Ergebnisse nur Richt- oder Näherungswerte sind. Jeder Hersteller hat seine eigenen Materialien und es ist nicht alles gleich wie man es am liebsten hätte.
Daher liefern auch die Tools unterschiedliche Ergebnisse, und ich kann auch nicht sagen, welches jetzt besser ist. Teste es daher aus und mache dir ein eigenes Bild davon.